{"id":655,"date":"2014-03-26T20:30:56","date_gmt":"2014-03-26T19:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/studieren-ohne-grenzen.org\/wordpress\/?page_id=655"},"modified":"2017-11-12T20:44:50","modified_gmt":"2017-11-12T19:44:50","slug":"hintergrund","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/old.studieren-ohne-grenzen.org\/ru\/projekte\/dr-kongo-mweso\/hintergrund\/","title":{"rendered":"Hintergrund"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) ist ein Staat in Zentralafrika mit einer Bev\u00f6lkerung von sch\u00e4tzungsweise 62 bis 77 Mio. Menschen. Weite Teile des Landes sind von tropischem Regenwald bedeckt und vom zweitgr\u00f6\u00dften Strom des Kontinents, dem Kongo-Fluss, durchzogen. Mit einer Gesamtfl\u00e4che von \u00fcber 2,3 Mio. km\u00b2 ist die DR Kongo etwa 6,6-mal so gro\u00df wie die Bundesrepublik Deutschland.<\/p>\n<p>Die aus den Medien vor allem durch Konflikte bekannte Region Nordkivu im Osten der DR Kongo vereint viele Gegens\u00e4tze in sich: Fruchtbare B\u00f6den, mildes Klima und ethnische Vielfalt, aber auch eine traumatisch-gewaltsame Vergangenheit mit Milizen und Flucht, Hunger und Armut. Rund 100 km n\u00f6rdlich von der Provinzhauptstadt Goma liegt der Ort Mweso inmitten einer milden Hochebene, die von landwirtschaftlichen Sch\u00e4tzen und atemberaubenden Natursch\u00f6nheiten gepr\u00e4gt ist. Informieren Sie sich hier \u00fcber die Hintergr\u00fcnde und Voraussetzungen in der DR Kongo und der Provinz Nordkivu.<\/p>\n<p><ul class='gdl-toggle-box'><\/p>\n<li class=''>\n<h2 class='toggle-box-title'><span class='toggle-box-icon'><\/span>Mehr \u00fcber die Geschichte der DR Kongo erfahren<\/h2>\n<div class='toggle-box-content'>Die Region des Kongobeckens weist eine Vielzahl historischer Siedlungsspuren auf. Neben indigenen Stammesgruppen breiteten sich schon fr\u00fch auch westafrikanische Bantuv\u00f6lker im Gebiet der heutigen Staatsgrenzen aus. Im 14. Jh. bl\u00fchte im Westen das vorkoloniale K\u00f6nigreich Kongo auf, bevor rund ein Jahrhundert sp\u00e4ter die ersten Portugiesen in der Kongom\u00fcndung landeten. Ohne ins Landesinnere vorzudringen, beschr\u00e4nkten sich die Europ\u00e4er weitgehend auf die Etablierung eines florierenden Sklavenhandels an der Atlantikk\u00fcste.<\/p>\n<p>Im Zuge der europ\u00e4ischen Kolonialisierung Afrikas gelangte die Region ab 1885 in staatliche Abh\u00e4ngigkeit und wurde als Privateigentum des belgischen K\u00f6nigs Leopold II. systematisch ausgebeutet. Unter anderem wegen internationaler Proteste gegen die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen \u00fcbernahm 1908 der belgische Staat die koloniale Verwaltung, wodurch sich die Lebensbedingungen der Bev\u00f6lkerung jedoch keineswegs besserten. Auch die Ausbeutung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Rohstoffvorr\u00e4te wurde in den folgenden Jahrzehnten durch den belgischen Staat und private Konzessionsgesellschaften unver\u00e4ndert fortgesetzt.<\/p>\n<p>\u00dcberrascht von der Dynamik der afrikanischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen verlie\u00df die Kolonialmacht Mitte 1960 \u00fcberst\u00fcrzt das Land, ohne je die Strukturen f\u00fcr einen autonomen gesellschaftlichen Wiederaufbau und eine geregelte Selbstverwaltung aufgebaut oder unterst\u00fctzt zu haben.<\/p>\n<p>Die ersten Jahre der Unabh\u00e4ngigkeit waren daher von politischer Instabilit\u00e4t, den sogenannten Kongowirren, gepr\u00e4gt. 1965 erlangte General Joseph Mobutu durch einen Putsch die Macht. Er benannte das Land im Rahmen seiner ideologisch ausgerichteten Politik der \u201eAuthenticit\u00e9\u201c in Zaire um und errichtete eine brutale und korrupte Diktatur, welche auch von westlichen M\u00e4chten gest\u00fctzt wurde.<\/p>\n<p>Der V\u00f6lkermord in Ruanda im Jahr 1994 st\u00fcrzte die gesamte Region der Gro\u00dfen Seen in erhebliche Unruhen, an deren Folgen die Bev\u00f6lkerung bis heute leidet. Im Rahmen des ersten Kongokriegs wurde Mobutu 1997 gest\u00fcrzt und durch Laurent Kabila als Pr\u00e4sident der neuen Demokratischen Republik Kongo abgel\u00f6st. Nach dessen Ermordung \u00fcbernahm 2001 sein Sohn Joseph das Amt, das er nach den Wahlen 2006 und 2011 weiter innehat.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen zufolge verloren allein in den drei Kongokriegen bis 2009 rund 4 bis 5,4 Mio. Menschen ihr Leben. In den rohstoffreichen und von der staatlichen Administration nur schwach durchdrungenen Regionen an der Ostgrenze des Landes finden jedoch auch weiterhin unterschiedlich motivierte Rebellengruppen ihre Machtbasis. Immer wieder kommt es zu Kampfhandlungen. Ende 2013 konnte die Zentralregierung die Miliz M-23 mithilfe der UN-Friedensmission MONUSCO erfolgreich zur\u00fcckdr\u00e4ngen und entwaffnen. Eine politische L\u00f6sung des Konflikts steht allerdings weiter aus. Die langfristigen Folgen der jahrzehntelangen Kampfhandlungen f\u00fcr Umwelt und Zivilbev\u00f6lkerung lassen sich heute noch nicht absehen.<\/div>\n<\/li>\n<p><\/p>\n<li class=''>\n<h2 class='toggle-box-title'><span class='toggle-box-icon'><\/span>Mehr \u00fcber die Bildungssituation in der DR Kongo erfahren<\/h2>\n<div class='toggle-box-content'>Die Bedingungen f\u00fcr Lernende und Lehrende sind in der DR Kongo \u00e4u\u00dferst schwierig und entsprechende Strukturen oft nur rudiment\u00e4r ausgebaut. Gemeinsam mit dem Niger belegt das Land den letzten der 186 Pl\u00e4tze im Human Development Index 2013. Zwar liegt die DR Kongo mit einer allgemeinen Alphabetisierungsrate von 67% weit vor L\u00e4ndern wie Mali (46%) oder Niger (29%), doch sind die Lernbedingungen an Schulen und Hochschulen innerhalb des Landes sehr unterschiedlich und gerade im Osten des Landes oft problematisch.<\/p>\n<p>Neben neun staatlichen Universit\u00e4ten gibt es in der DR Kongo eine Vielzahl von Hochschulen in unterschiedlicher Tr\u00e4gerschaft. Da ein Studium jedoch relativ zum Durchschnittseinkommen sehr teuer ist, bleibt der Zugang zu akademischer Bildung einem kleinen Teil der Bev\u00f6lkerung vorbehalten. Schon eine Schulausbildung ist keineswegs selbstverst\u00e4ndlich. Hohe Geb\u00fchren halten viele Kinder vom Schulbesuch ab und gerade M\u00e4dchen aus Familien mit geringem Einkommen erfahren hier besondere Nachteile (Worldbank, WDR Gender Equality and Development 2012, S. 74). Rund 40% der Bev\u00f6lkerung zwischen 5 und 15 Jahren sind von Kinderarbeit betroffen.<\/p>\n<p>Auch an den Hochschulen f\u00fchren die doppelte Arbeitsbelastung durch Studium und t\u00e4gliche Sorge f\u00fcr den Lebensunterhalt dazu, dass teilweise bis zu 50% der Studierenden ihr Studium wieder abbrechen. Eine St\u00e4rkung des Hochschulsektors erm\u00f6glicht den Aufbau nachhaltiger sozialer und wirtschaftlicher Strukturen und bietet gerade kriegsm\u00fcden jungen Menschen in den umk\u00e4mpften Ostprovinzen eine vielversprechende Zukunftsperspektive.<\/div>\n<\/li>\n<p><\/p>\n<li class=''>\n<h2 class='toggle-box-title'><span class='toggle-box-icon'><\/span>Mehr \u00fcber die Hintergr\u00fcnde in Nordkivu erfahren<\/h2>\n<div class='toggle-box-content'>2008 richtete in Mweso die lokale gemeinn\u00fctzige Organisation CADEP (Comit\u00e9 des Agriculteurs pour le D\u00e9veloppement Participatif) in Geb\u00e4uden der ehemaligen belgischen Kolonialmacht ein \u00f6rtliches Agrarinstitut ein, um den Menschen vor Ort den Zugang zu einer nachhaltigen Hochschulbildung zu erm\u00f6glichen und den landwirtschaftlichen Aufbau der Region zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Auch nach den sogenannten Kongokriegen sorgen seit 2009 immer wieder einzelne Rebellengruppen und lokale Milizenk\u00e4mpfe f\u00fcr erhebliche Unruhen in der Umgebung von Mweso. W\u00e4hrend der Konflikte zwischen der M-23-Bewegung und der kongolesischen Regierungsarmee FARDC kam es 2012 zu Pl\u00fcnderungen auch in Mweso, sodass viele Bewohner in die umliegende Region fl\u00fcchten mussten. Nach kurzer Zeit jedoch konnte jedoch das zeitweise geschlossene Institut Sup\u00e9rieure d\u2019\u00c9tudes Agronomiques (ISEA) in Mweso wieder er\u00f6ffnet werden. Nach erneuten Unruhen im Sp\u00e4tsommer 2013, bei denen Mweso f\u00fcr einige Zeit g\u00e4nzlich von der Verbindung mit Goma abgeschnitten war, erreichte die FARDC mithilfe der UN-Friedensmission MONUSCO die Entwaffnung der M-23-Miliz. Obwohl es seitdem immer wieder zu neuen K\u00e4mpfen im Gebiet Mweso\/Masisi kommt, konnte sich die Sicherheitssituation vor Ort erheblich beruhigen.<\/div>\n<\/li>\n<p><\/p>\n<li class=''>\n<h2 class='toggle-box-title'><span class='toggle-box-icon'><\/span>Mehr \u00fcber die agrarische Situation in Nordkivu erfahren<\/h2>\n<div class='toggle-box-content'>Obwohl das landwirtschaftliche Potenzial der nat\u00fcrlichen Voraussetzungen keinen Grund f\u00fcr Nahrungsmittelknappheit darstellt, beschr\u00e4nkt sich die Region nach mittlerweile knapp zwanzig Jahren Krieg und Konflikt weitgehend auf Subsistenzwirtschaft. Das verlorene Wissen einer ganzen Generation, die Rodung gro\u00dfer Landstriche, sowie das Fehlen eines lokalen Marktzugangs und der Missbrauch von Arbeitskr\u00e4ften in den Rohstoffminen f\u00fchrte \u00fcber Jahre hinweg zu einem Abbau gesunder agrarischer Strukturen in der Umgebung von Mweso. Auch Flucht und Vertreibung wirken sich bis heute auf die sozio-\u00f6konomischen Lebensbedingungen aus.<\/p>\n<p>Die agronomische Ausbildung der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr einen friedlichen und wirtschaftlich stabilen Wiederaufbau des Agrarsektors ist daher von zentraler Bedeutung. Viateur Mujogo, Gr\u00fcndungsvorsitzender und coordinator ex\u00e9cutif von CADEP dazu: \u201eKleinbauern sind das R\u00fcckgrat von Nordkivu. Als Akteure des Wandels bilden sie das wirkungsvollste Korrektiv gegen die Unterern\u00e4hrung und Marginalisierung der Region.\u201c<\/p>\n<p>Mit unserem Stipendienprogramm setzt SOG an diesem Punkt an. Durch die F\u00f6rderung eines dreij\u00e4hrigen Studiums am ISEA erm\u00f6glichen wir jungen Menschen in und um Mweso eine agrarwissenschaftliche Hochschulausbildung, damit sie zu Wegbereitern der landwirtschaftlichen Entwicklung ihrer Heimat werden k\u00f6nnen.<\/div>\n<\/li>\n<p><\/ul>\n<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) ist ein Staat in Zentralafrika mit einer Bev\u00f6lkerung von sch\u00e4tzungsweise 62 bis 77 Mio. Menschen. Weite Teile des Landes sind von tropischem Regenwald bedeckt und vom zweitgr\u00f6\u00dften Strom des Kontinents, dem Kongo-Fluss, durchzogen. Mit einer Gesamtfl\u00e4che von \u00fcber 2,3 Mio. km\u00b2 ist die DR Kongo etwa 6,6-mal so gro\u00df wie die Bundesrepublik Deutschland. Die aus den Medien vor allem durch Konflikte bekannte Region Nordkivu im Osten der DR Kongo vereint viele Gegens\u00e4tze in sich: Fruchtbare B\u00f6den, mildes Klima und ethnische Vielfalt, aber auch eine traumatisch-gewaltsame Vergangenheit mit Milizen und Flucht, Hunger und Armut. Rund 100 km n\u00f6rdlich von der Provinzhauptstadt Goma liegt der Ort Mweso inmitten einer milden Hochebene, die von landwirtschaftlichen Sch\u00e4tzen und atemberaubenden Natursch\u00f6nheiten gepr\u00e4gt ist. 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